„Gibt es das in der Apotheke?“ ist die häufigste Frage zu Artemisia annua – gefolgt von „warum finde ich bei dm nichts?“ und „kann ich das einfach über Amazon bestellen?“. Die kurze Antwort: Alle vier Wege existieren, aber sie unterscheiden sich massiv in Auswahl, Preis und vor allem in der Frage, ob Sie am Ende wissen, was Sie gekauft haben. Dieser Beitrag geht die Bezugswege einzeln durch – mit dem, was jeweils dafür und dagegen spricht.

Die kurze Antwort
Apotheke
Apotheken führen Artemisia annua so gut wie nie im Sichtwahl-Regal. Wer dort fragt, bekommt in der Regel zwei Antworten: entweder „müssen wir bestellen“ oder einen Verweis auf ein Nahrungsergänzungsmittel eines Fremdherstellers. Der Grund liegt in der Einordnung: Ein zugelassenes Arzneimittel mit Artemisia annua gibt es in Deutschland nicht, und als Lebensmittel darf die Art hier nicht verkauft werden (dazu gleich mehr im Abschnitt zur Drogerie).
Was bleibt, sind Bestellungen über den pharmazeutischen Großhandel – häufig mit Lieferzeit, selten mit Angaben zur Charge und fast nie mit einem einsehbaren Laborbericht. Preislich liegen Apothekenprodukte meist deutlich über dem Fachhandel, ohne dass damit eine höhere Transparenz einherginge.
Drogerie: dm, Rossmann & Co.
Die Suche nach „artemisia annua tee dm“ gehört zu den häufigsten in diesem Umfeld – und läuft fast immer ins Leere. Das hat einen rechtlichen Grund: Artemisia annua gilt in der EU als neuartiges Lebensmittel im Sinne der Novel-Food-Verordnung und hat keine Zulassung als Lebensmittel. Damit ist der Verkauf als Tee oder Nahrungsergänzung hier nicht zulässig. Große Drogerieketten halten sich strikt daran.
Was Sie im Drogerieregal finden, ist deshalb meist etwas anderes: Gewöhnlicher Beifuß (Artemisia vulgaris) als Gewürz – eine verwandte, aber andere Art ohne nennenswerten Artemisinin-Gehalt. Der Unterschied ist botanisch eindeutig und im Regal leicht zu übersehen; unser Artenvergleich zeigt ihn im Detail. Die rechtliche Lage erklären wir ausführlich im Beitrag Ist Artemisia annua verboten?
Marktplätze: Amazon, eBay, Kaufland
Auf den großen Marktplätzen ist die Auswahl am größten – und die Streuung ebenfalls. Nebeneinander stehen dort seriöse Händler, anonyme Importeure und Angebote, deren Beschreibung schon rechtlich grenzwertig ist. Drei Punkte fallen immer wieder auf:
- Unklare Herkunft: Häufig fehlt jede Angabe, aus welchem Land die Ware stammt und welcher Pflanzenteil verarbeitet wurde.
- Versand aus dem Ausland: Sendungen aus Nicht-EU-Ländern können beim Zoll hängen bleiben; Wochenlange Laufzeiten sind keine Seltenheit.
- Deklarationsprobleme: Wird das Kraut als Tee oder Lebensmittel angeboten, ist das in der EU nicht zulässig – ein Hinweis darauf, wie genau es der Anbieter mit den Regeln nimmt.
Das heißt nicht, dass jedes Marktplatz-Angebot schlecht ist. Es heißt, dass die Prüfung vollständig bei Ihnen liegt: Impressum lesen, Herkunft suchen, Deklaration bewerten.
Online-Fachhandel

Spezialisierte Shops sind der einzige Bezugsweg, bei dem Sie regelmäßig alle relevanten Angaben zusammen bekommen: botanischer Name, Pflanzenteil, Herkunftsland, Verarbeitungsgrad, Menge und Grundpreis, dazu ein greifbares Unternehmen mit Impressum. Wo ein Extrakt angeboten wird, gehört ein Laborbericht dazu – öffentlich einsehbar, nicht auf Anfrage.
Was ein Fachhändler leisten sollte, lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Er beantwortet die Fragen, die auf einem Marktplatz offenbleiben. Unsere ausführliche Kaufberatung geht die Kriterien einzeln durch.
Gärtnerei: die Pflanze statt des Rohstoffs
Ein fünfter Weg wird oft übersehen: Samen und Jungpflanzen gibt es im gut sortierten Gartenhandel. Für alle, die Zeit und einen sonnigen Platz haben, ist das die günstigste Variante – aus einer Handvoll Saatgut werden in einer Saison mehrere Kilogramm frisches Kraut. Was dabei zu beachten ist, steht in unserer Anbauanleitung; die Trocknung erklärt der Beitrag Ernten und Trocknen.
Alle Bezugswege im Vergleich
| Bezugsweg | Verfügbarkeit | Nachvollziehbarkeit | Typische Schwäche |
|---|---|---|---|
| Apotheke | selten, meist Bestellware | mittel | hoher Preis, kaum Chargenangaben |
| Drogerie | praktisch nicht vorhanden | – | im Regal steht Gewöhnlicher Beifuß |
| Marktplatz | sehr groĂź | gering bis mittel | Herkunft unklar, Zollrisiko, Deklaration |
| Fachhandel | gut | hoch | kleineres Sortiment als Marktplätze |
| Gärtnerei | saisonal | hoch (selbst gezogen) | dauert eine ganze Saison |
Was ist ein fairer Preis?
Preise lassen sich nur über den Grundpreis vergleichen, also den Preis je Kilogramm. Ein 50-Gramm-Beutel für 19,90 Euro klingt günstiger als 200 Gramm für 43,99 Euro – tatsächlich kostet der kleine Beutel 398 Euro je Kilo, der große 219,95 Euro. Seriöse Anbieter geben den Grundpreis von sich aus an; wo er fehlt, lohnt das Nachrechnen.
Zwei weitere Punkte gehören in die Rechnung: die Versandkosten (und ab welchem Bestellwert sie entfallen) sowie der Verarbeitungsgrad. Blattschnitt, Pulver und Extrakt sind unterschiedliche Produkte und nicht direkt vergleichbar – welche Stufe wofür steht, zeigt unser Beitrag Blattschnitt, Blattpulver oder Extrakt?

Was Sie an der Ware selbst prüfen können
Zwischen Bestellung und Bewertung liegt der wichtigste Schritt: das Paket öffnen und hinschauen. Bei getrocknetem Pflanzenmaterial verrät schon der erste Eindruck viel, und dafür braucht es kein Labor.
- Farbe: Kräftiges Graugrün bis Grün spricht für zügige, schonende Trocknung. Ausgeblichenes Strohgelb deutet auf zu viel Hitze oder Sonne, Braunstich auf zu langsames Trocknen oder feuchte Lagerung.
- Blattanteil: Beim Schnitt sollten Blätter dominieren. Viele holzige Stängelstücke sind Füllmaterial – sie wiegen mit, tragen aber wenig bei.
- Geruch: Frische Ware duftet beim Ă–ffnen deutlich aromatisch. Muffiger oder abgestandener Geruch ist ein Ausschlusskriterium.
- Fremdanteile: Erde, Steinchen oder fremde Pflanzenteile zeigen, wie sorgfältig gesiebt wurde.
- Verpackung: Lichtdicht und wiederverschließbar hält deutlich länger als ein einfacher Klarsichtbeutel. Ein Chargenaufdruck zeigt, dass der Anbieter seine Ware rückverfolgen kann.
Bei Pulver fällt der Blattanteil weg, die Farbe bleibt dagegen das aussagekräftigste Merkmal. Und beim Extrakt hilft das Auge gar nicht weiter – dort zählt allein der Laborbericht, weil sich ein Gehalt weder sehen noch riechen lässt.
Checkliste vor dem Kauf
- Botanischer Name vollständig? „Artemisia annua“ muss dastehen, nicht nur „Artemisia“ oder „Beifuß“.
- Pflanzenteil genannt? Blatt, Kraut oder Blüte – und in welcher Form (geschnitten, gerebelt, gemahlen).
- Herkunft angegeben? Ein Land, kein „EU/Nicht-EU“.
- Grundpreis sichtbar? Preis je Kilogramm, sonst selbst ausrechnen.
- Deklaration stimmig? Als Lebensmittel oder Tee darf das Kraut in der EU nicht angeboten werden.
- Anbieter greifbar? Impressum mit Anschrift, erreichbarer Support, bei Extrakten ein einsehbarer Laborbericht.

Unser Sortiment: Herkunft, Menge und Grundpreis auf einen Blick
Artemisia Annua Blattschnitt
- Getrocknet, gerebelt, Feinschnitt
- Qualitätsstufe A++ · Herkunft Griechenland
- 100 g oder 200 g
inkl. MwSt., zzgl. Versand · Grundpreis: 219,95 – 249,90 € / kg
Zum Produkt →Artemisia Annua Blattpulver
- Getrocknete Blätter, gemahlen
- Qualitätsstufe A++ · Herkunft Griechenland
- 100 g oder 200 g
inkl. MwSt., zzgl. Versand · Grundpreis: 244,95 – 279,90 € / kg
Zum Produkt →AnnuaBalance Extrakt
- 18,9 % Artemisinin – laborbestätigt
- ~30:1 verdichtet (Dualextraktion)
- 100-g-Dose · Prüfbericht als PDF
inkl. MwSt., zzgl. Versand · Grundpreis: 349,90 € / kg
Zum Produkt →Häufige Fragen
Gibt es Artemisia annua in der Apotheke?
Vorrätig fast nie. Apotheken können Präparate über den Großhandel bestellen; ein zugelassenes Arzneimittel mit Artemisia annua gibt es in Deutschland nicht. Angaben zu Charge und Herkunft fehlen dabei häufig.
Warum fĂĽhrt dm kein Artemisia annua?
Weil die Art in der EU als neuartiges Lebensmittel gilt und keine Zulassung als Lebensmittel hat. Was im Gewürzregal als „Beifuß“ steht, ist Artemisia vulgaris – eine andere Art.
Ist der Kauf ĂĽber Amazon oder eBay erlaubt?
Der Kauf als solcher ist nicht verboten. Die Angebote unterscheiden sich aber stark: Herkunft, Pflanzenteil und Deklaration fehlen oft, und bei Versand aus Nicht-EU-Ländern kommt das Zollrisiko dazu.
Woran erkenne ich einen seriösen Anbieter?
An vollständigen Angaben (botanischer Name, Pflanzenteil, Herkunft, Menge, Grundpreis), an einem Impressum mit Anschrift und daran, dass Laborberichte für Extrakte offen einsehbar sind.
Was kostet Artemisia annua ĂĽblicherweise?
Vergleichbar wird es erst ĂĽber den Grundpreis je Kilogramm. Kleine Packungen wirken gĂĽnstig, sind je Kilo aber oft am teuersten. Rechnen Sie Versandkosten mit ein.
Kann ich Artemisia annua stattdessen selbst anbauen?
Ja. Saatgut und Jungpflanzen gibt es im Gartenhandel, der Anbau im eigenen Garten ist erlaubt. Eine Saison Geduld und ein sonniger Platz genĂĽgen.
- Europäische Kommission: Novel Food – Verordnung (EU) 2015/2283 und Unionsliste: food.ec.europa.eu
- Bundesamt fĂĽr Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL): Neuartige Lebensmittel: bvl.bund.de
- Royal Botanic Gardens, Kew: Plants of the World Online – Artemisia annua L.: powo.science.kew.org
Stand: September 2026. Dieser Beitrag vergleicht Bezugswege und Kaufkriterien; er trifft keine Aussagen ĂĽber Wirkungen der von uns angebotenen Rohstoffe und ersetzt keine Rechtsberatung. Bildnachweise stehen in den Bildunterschriften.