Aus einem fast staubfeinen Samenkorn wird in einer einzigen Saison eine mannshohe, duftende Pflanze: Artemisia annua, der Einjährige Beifuß, ist im Garten erstaunlich unkompliziert – wenn man seine Eigenheiten kennt. Er keimt nur im Licht, braucht mehr Platz, als man ihm zutraut, und blüht erst, wenn die Tage kürzer werden. Diese Anleitung führt Schritt für Schritt von der Aussaat bis zur Ernte – mit Gartenkalender und Antworten auf die häufigsten Fragen.

Anbau-Steckbrief
| Pflanze | Einjähriger Beifuß (Artemisia annua L.), Korbblütler |
| Lebenszyklus | einjährig – keimt im Frühjahr, stirbt nach der Samenreife ab |
| Aussaat | Vorkultur ab März, Lichtkeimer (nicht mit Erde bedecken) |
| Keimung | bei rund 20 °C meist nach ein bis zwei Wochen |
| Auspflanzen | nach den Eisheiligen, etwa ab Mitte Mai |
| Standort | sonnig, warm, durchlässiger Boden ohne Staunässe |
| Pflanzabstand | mindestens 60–80 cm |
| Wuchshöhe | häufig 1–2 m, unter guten Bedingungen darüber |
| Blüte | Spätsommer bis Herbst (Kurztagspflanze) |
| Winterhart | nein – die Pflanze ist einjährig |

Aussaat: So keimt der Lichtkeimer
Die Samen des Einjährigen Beifußes sind winzig – fast staubfein. Das hat zwei Folgen: Sie dürfen nicht mit Erde bedeckt werden, denn Artemisia annua ist ein Lichtkeimer. Und sie lassen sich kaum einzeln säen. Bewährt hat sich die Vorkultur auf der Fensterbank ab März:
- Anzuchterde vorbereiten: Eine flache Schale oder Anzuchtplatte mit feiner, nährstoffarmer Anzuchterde füllen und leicht andrücken.
- Samen strecken: Die Samen mit etwas feinem Sand mischen – so verteilen sie sich gleichmäßiger – und dünn auf die Oberfläche streuen.
- Nur andrücken, nicht bedecken: Die Samen leicht andrücken und mit einer Sprühflasche befeuchten, damit nichts weggeschwemmt wird.
- Warm und feucht halten: Eine Abdeckhaube oder Folie hält die Feuchtigkeit. Bei rund 20 °C und hellem Stand ohne pralle Mittagssonne zeigen sich die ersten Keimlinge meist nach ein bis zwei Wochen.

Eine Direktsaat ins Beet ist nach den letzten Frösten ebenfalls möglich. Wegen der winzigen Samen und der zarten Keimlinge ist sie aber unberechenbarer als die Vorkultur: Regen, Wind und Schnecken haben leichtes Spiel.
Pikieren, Abhärten, Auspflanzen
Sobald die Sämlinge neben den Keimblättern ihre ersten echten Blätter zeigen, werden sie pikiert: vorsichtig aus der Schale heben und einzeln in kleine Töpfe mit etwas nährstoffreicherer Erde setzen. So bekommt jede Jungpflanze Platz für ihre Wurzeln.
Vor dem Umzug ins Freie steht das Abhärten: Die Jungpflanzen tagsüber einige Stunden nach draußen stellen und die Zeit über ein bis zwei Wochen verlängern. Ausgepflanzt wird nach den Eisheiligen, also etwa ab Mitte Mai, wenn keine Nachtfröste mehr drohen – die jungen Pflanzen sind frostempfindlich.
Beim Pflanzabstand gilt: großzügig planen. Aus dem unscheinbaren Sämling wird bis zum Spätsommer eine stark verzweigte Pflanze von häufig ein bis zwei Metern Höhe [1]. Mindestens 60 bis 80 Zentimeter Abstand zu den Nachbarn sind sinnvoll; wer der Pflanze freien Lauf lassen möchte, gibt ihr eher einen Meter.

Standort und Boden
Artemisia annua ist ein Kind warmer Sommer. Je sonniger und wärmer der Platz, desto kräftiger wächst die Pflanze und desto mehr Blattmasse bildet sie. Ideal ist ein vollsonniger Standort, der möglichst den ganzen Tag Licht bekommt und etwas vor starkem Wind geschützt liegt.
An den Boden stellt die Pflanze wenige Ansprüche. Ursprünglich in Asien beheimatet, ist die Art heute weltweit verbreitet und wächst verwildert auch an Wegrändern und auf Brachflächen [1][3]. Für üppigen Wuchs im Garten sorgt ein lockerer, durchlässiger und mäßig humoser Boden. Wichtig ist vor allem eines: keine Staunässe. Schwere, verdichtete Böden lassen sich mit Sand oder Kompost auflockern.
Pflege: Gießen, Düngen, Stützen
Einmal eingewachsen, ist der Einjährige Beifuß ausgesprochen genügsam:
- Gießen: Jungpflanzen in den ersten Wochen nach dem Auspflanzen regelmäßig wässern. Später genügt Gießen in längeren Trockenphasen – lieber seltener und durchdringend als täglich ein wenig.
- Düngen: Reifer Kompost beim Pflanzen reicht in normalem Gartenboden meist für die ganze Saison. Zu viel Dünger fördert weiches, mastiges Wachstum.
- Stützen: Hohe Pflanzen bieten dem Wind viel Angriffsfläche. An offenen Stellen verhindert ein stabiler Stab, dass sie bei Sommergewittern umknicken.
- Jungpflanzen schützen: Wie viele Sämlinge sind auch junge Beifußpflanzen bei Schnecken beliebt. Größere Pflanzen gelten als robust.
Anbau im Kübel
Auch ohne Beet lässt sich Artemisia annua ziehen, etwa auf einem sonnigen Balkon oder der Terrasse. Weil die Pflanze viel Wurzelraum braucht, sollte der Kübel möglichst groß sein – je größer das Gefäß, desto größer wird auch die Pflanze. Ein Abzugsloch und eine Drainageschicht aus Blähton oder Kies verhindern Staunässe. Im Kübel trocknet die Erde schneller aus als im Beet; hier also häufiger gießen und bei Bedarf nachdüngen. In der Regel bleibt die Pflanze im Gefäß deutlich kleiner als im Gartenboden.
Blüte: Warum sie erst im Spätsommer kommt
Wer im Juli auf Blüten wartet, wartet vergeblich: Der Einjährige Beifuß ist eine Kurztagspflanze. Die Blüte wird erst ausgelöst, wenn die Tage im Spätsommer kürzer werden [2]. Bis dahin steckt die Pflanze ihre Energie ins Wachstum. In Deutschland erscheinen die winzigen, gelblichen Blütenkörbchen deshalb meist erst im Spätsommer, häufig im September – in lockeren, weit verzweigten Rispen.

Für den Anbau heißt das: Je früher im Jahr die Pflanze startet, desto länger ist ihre Wachstumsphase vor der Blüte – und desto größer und blattreicher wird sie. Genau deshalb lohnt sich die Vorkultur ab März.
Ernte und Samengewinnung
Geerntet wird das Laub traditionell um den Beginn der Blüte – an einem trockenen Tag, wenn die Pflanzen nicht von Tau oder Regen nass sind. Man schneidet ganze Triebe oder die gesamte Pflanze ab und trocknet sie luftig und schattig, etwa kopfüber aufgehängt. Anschließend lassen sich die trockenen Blätter von den Stängeln streifen. Worauf es bei Erntezeitpunkt und Trocknung im Detail ankommt, zeigt unser Beitrag Artemisia annua ernten und trocknen.
Wer eigenes Saatgut gewinnen möchte, lässt eine oder zwei Pflanzen stehen. Nach der Blüte reifen die Samen bis in den Herbst hinein; ob sie vor den ersten Frösten vollständig ausreifen, hängt von Lage und Witterung ab. Die trockenen Samenstände abschneiden, über einem Bogen Papier ausklopfen und die Samen kühl, trocken und dunkel in einer Papiertüte aufbewahren.
Gartenkalender auf einen Blick
| März – April | Vorkultur auf der Fensterbank: Samen nur andrücken, bei rund 20 °C feucht halten |
| April – Mai | Pikieren, sobald die ersten echten Blätter da sind; ab Anfang Mai abhärten |
| Ab Mitte Mai | Nach den Eisheiligen auspflanzen, mindestens 60–80 cm Abstand |
| Juni – August | Wachstumsphase: bei Trockenheit gießen, hohe Pflanzen bei Bedarf stützen |
| Spätsommer | Blühbeginn, häufig im September – traditioneller Erntezeitpunkt für das Laub |
| Oktober – November | Samenreife je nach Witterung; spätestens mit den ersten Frösten endet die Saison |
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Zum Produkt →Häufige Fragen
Wann sät man Artemisia annua aus?
Für die Vorkultur ab März auf der Fensterbank, direkt ins Beet erst nach den letzten Frösten, etwa ab Mitte Mai. Die Samen sind Lichtkeimer und werden nur angedrückt, nicht mit Erde bedeckt.
Ist Artemisia annua winterhart?
Nein. Die Pflanze ist einjährig: Sie durchläuft ihren Lebenszyklus in einer Saison, stirbt nach der Samenreife ab und lässt sich nicht überwintern. Im nächsten Jahr wird neu ausgesät – oder die Selbstaussaat übernimmt.
Welchen Standort braucht Artemisia annua?
Sonnig und warm, mit lockerem, durchlässigem Boden ohne Staunässe. An die Nährstoffversorgung stellt die Pflanze nur geringe Ansprüche.
Wie groß wird Artemisia annua im Garten?
Häufig ein bis zwei Meter, unter guten Bedingungen auch mehr. Deshalb mindestens 60 bis 80 Zentimeter Pflanzabstand einplanen.
Kann man Artemisia annua im Topf ziehen?
Ja, in einem möglichst großen Kübel mit gutem Wasserabzug. Die Pflanze bleibt dort meist kleiner als im Beet und braucht häufiger Wasser.
Wann blüht Artemisia annua?
Als Kurztagspflanze erst, wenn die Tage kürzer werden – in Deutschland meist im Spätsommer, häufig im September. Die Blütenkörbchen sind winzig, gelblich und stehen in lockeren Rispen.
Ist der Anbau von Artemisia annua erlaubt?
Ja, der Anbau im eigenen Garten ist in Deutschland erlaubt. Mehr zur Rechtslage erklärt unser Beitrag Ist Artemisia annua verboten?
- Wikipedia: Einjähriger Beifuß (Artemisia annua): de.wikipedia.org
- Ferreira, J. F. S.; Simon, J. E.; Janick, J. (1995): Developmental studies of Artemisia annua: flowering and artemisinin production under greenhouse and field conditions. Planta Medica 61(2), 167–170.
- Royal Botanic Gardens, Kew: Plants of the World Online – Artemisia annua L.: powo.science.kew.org
Stand: September 2026. Dieser Beitrag informiert über Anbau und Pflege der Pflanze im Garten; er trifft keine Aussagen über Wirkungen oder Verwendungen der von uns angebotenen Rohstoffe.
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